Handwerk - Gesundheit und Kirche

Nachrichten und Termine für Handwerker und Gewerbetreibende aus Medizin und Ernährung - News aus den evangelischen und katholischen Landeskirchen, aus dem Vatikan und Gemeinden und Klöstern.

Mittwoch, 30. September 2026

„Wer kann da noch beten: Wer nur den lieben Gott lässt walten“ - Predigt von Erzbischof Dr. Heiner Koch (Berlin)



30. September 2026 - Eucharistiefeier zur Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda - Herbst-Vollversammlung Fulda 

Lesung: Ijob 9,1–12.14–16

Mit großer Freude habe ich in den vergangenen Tagen die Bilder gesehen von der Reise des Heiligen Vaters Papst Leo XIV. nach Frankreich: Achthunderttausend Mitfeiernde allein bei der Eucharistiefeier in Paris. Solche großen und großartigen Gottesdienste haben wir in Deutschland zum letzten Mal beim Weltjugendtag 2005 gefeiert und das vor allem mit der Hilfe von jungen Christen aus der ganzen Welt. Nun weiß ich, dass sich die Situation von Kirche und Glauben und ihrer Beziehung zu Staat und Gesellschaft in Deutschland und in Frankreich weder geschichtlich noch aktuell einfach übertragen läßt. Als ich aber die Bilder von Paris sah, wurde ich ziemlich „unandächtig“, weil mir die Frage in den Sinn kam: Sollte der Heilige Vater vielleicht einmal nach Berlin kommen, wie viele Menschen werden dann mit ihm in Berlin die Eucharistie feiern und wie viele Demonstrationen, nicht nur aus den politischen Randgruppen, wird es dann wie beim Besuch von Papst Johannes Paul II. vor genau 20 Jahren geben. Natürlich bin ich dabei fest davon überzeugt, dass diese Frage nicht nur für Papst Leo XIV. kein Grund gegen seinen Besuch in Berlin wäre, eher ein dringendes Argument für eine solche Reise: Zu helfen, die Frage nach Gott in dieser unserer Gesellschaft wachzuhalten und immer wieder neu zu stellen.

Dabei steht uns die unterschiedliche Situation des Glaubens und der Kirche im Osten Deutschlands, aber nicht nur dort, und in Frankreich vor Augen: Die meisten Menschen hier bei uns haben noch nie einen persönlichen Kontakt zum Glauben und zur katholischen Kirche erlebt. Wir sprechen deshalb zurecht hier nicht von Neuevangelisierung, sondern von Erstevangelisierung und fragen uns, wie wir als Kirche und als Christen mit den Menschen in unserer Umgebung so in Kontakt treten können, dass auch über unser Leben und über unseren Glauben der Funke des Geistes Gottes auf sie überspringen würde.

Schaut man sich die Gründe für die Fremdheit so vieler Menschen gegenüber dem christlichen Glauben und unserer Kirche an, so sind es vor allem drei Entfremdungsgründe, die für viele unserer Mitmenschen offensichtlich maßgebend sind:
Die Familie fällt als Ort der Erfahrung und der Weitergabe des christlichen Glaubens im Leben vieler Menschen völlig aus. Sie nehmen als Familie oftmals schon seit Generationen nicht mehr am kirchlichen Leben teil, das sie nicht kennen und nicht teilen. Das gilt nicht nur für Familien, wo sich niemand als Christ bekennt, sondern auch in Familien, in denen zumindest Einzelne getauft worden sind. Da kann es dann nicht erstaunen, dass in Berlin nur 35 Prozent der Kinder, selbst aus katholischen Familien, wo mindestens einer der Elternteile katholisch ist, getauft werden. Dieses Faktum ist auf die Länge der Zeit erheblich bedrohlicher als viele kirchlichen Problemfelder und -fragen.
Für viele Menschen kommt Gott in ihrem alltäglichen Leben nicht vor. Überall begegnen sie der „Macht des Menschen“, auch der Macht zu Zerstörung und zu Kriegen, vielleicht sogar zum Untergang der Welt. Der Mensch als die offensichtlich treibende Kraft dieser Welt: „Ich sehe keinen Gott. Für ihn gibt es da keinen Platz mehr“, so denken nicht wenige.
Die Frage nach dem christlichen Gottesbild und dem Leid, gerade das nicht vom Menschen verschuldete Elend. „Wer kann da noch beten: Wer nur den lieben Gott lässt walten“, fragte mich einmal ein Atheist auf einer Podiumsdiskussion.

Zumindest in diesem dritten Grund sind viele Menschen in einer ähnlichen Situation wie Ijob. Das Buch Ijob, das zur Weisheitsliteratur gehört und zwischen dem sechsten und dem zweiten Jahrhundert vor Christus entstanden ist, handelt vom Leid eines unschuldigen Gerechten. Ausgelöst im literarischen Bild durch einen Streit zwischen Gott und dem Satan wird er der existentiellen Prüfung unterzogen, wie tief sein Glaube wirklich verwurzelt und sein Leben tragend ist. Sein Zweifel an Gott greift tief in seine Seele ein: „ Wollte ich rufen, würde er mir Antwort geben? Ich glaube nicht, dass er auf meine Stimme hört“ (Jjob 9,16), so die letzten Worte der heutigen Lesung.

Doch ein Unterschied zeichnet Hiob gegenüber vielen unserer heutigen Zeitgenossen aus: Er, der keine Antwort von Gott auf sein Klagen vernimmt, hört nicht auf, an Gott zu glauben. Er hält die Verbindung mit Gott aufrecht „Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen; gelobt sei der Name des Herrn“ (Jjob 1,21). Ihn zeichnet die Ehrfurcht aus vor der Unbegreiflichkeit Gottes, die kein Mensch erfassen kann. Auch mit unserem geschulten Umgang mit theologischen Begriffen können wir die Wirklichkeit Gottes nicht begreifen. Ein Gott, den wir im Griff hätten, wäre eben nicht mehr der unfassbare und alles übersteigende Gott.

Als Christen bekennen wir sicherlich die Nähe Gottes, der gegenwärtig ist in unserem Leben in größter Dichte seit Gottes Sohn Jesus Christus sein Leben bis zum Tod mit uns geteilt hat. Er blieb bei uns wie bei den beiden Schächern am Kreuz, die er nicht allein zurück ließ. Aber Gott ist immer auch der ganz andere. Ijob zieht Gott nicht auf die Ebene des menschlichen Verstehens hinunter. Gott ist immer auch der Größere und über uns Stehende. Vielmehr bekennt er trotz der Unmöglichkeit, Gott zu erfassen, dass dieser Gott ihm nahe ist und sein Erlöser: „Doch ich weiß: Mein Erlöser lebt, als Letzter erhebt er sich über dem Staub. Ohne meine Haut, die so zerfetzte, und ohne mein Fleisch werde ich Gott schauen. Ihn selber werde ich dann für mich schauen; meine Augen werden ihn sehen, nicht mehr fremd. (Ijob 19,25–27a).

Der Jakobusbrief fasst dieses gerade auch im Leid und in der Treue der Bedrängnis gewachsene Gottesbild zusammen, wenn es in ihm über Ijob heißt: „Ihr habt von der Ausdauer des Ijob gehört und das Ende gesehen, das der Herr herbeigeführt hat. Denn der Herr ist voll Erbarmen und Mitleid“ (Jak 5,11).

Vielleicht ist dies das Glaubenszeugnis, das wir als Christen heute vor der Welt ablegen können und dürfen: Wir stehen zu Gott und glauben uns in ihm geborgen, auch wenn unsere Zweifel und Unsicherheiten bleiben und unsere Unfähigkeit, Gott zu verstehen und ihn unseren Mitmenschen erklären zu können. Sicher ist dies kein triumphales Glaubenszeugnis, aber vielleicht in unseren Tagen umso glaubwürdiger.

Vor wenigen Wochen war ich eingeladen in einen Kreis von Eltern sogenannter „Sternenkinder“, also von Kindern, die vor, bei oder nach der Geburt gestorben sind. Ich weiß nicht, ob Eltern aus diesem Kreis Christen gewesen sind. Aber als wir uns verabschiedeten, fragte eine Mutter laut in den Raum hinein: „Ich kann jetzt kein Kind mehr bekommen. Aber, Herr Bischof, ich habe doch ein Kind, auch wenn es nun auf dem Friedhof liegt, und Sie glauben doch daran, dass ich es einmal wiedersehen werde.“ Mir blieb nichts anderes übrig, als stumm mit dem Kopf zu nicken. Lassen wir die Menschen mit ihrem oft so unerklärbaren Leid nicht alleine. Auch das können wir von Ijob lernen.

Bild Copyright
Deutsche Bischofskonferenz / Marko Orlovic

Predigt von Erzbischof Dr. Heiner Koch (PDF-Datei)

Videobeiträge zur Herbst-Vollversammlung


Die Deutsche Bischofskonferenz ist ein Zusammenschluss der katholischen Bischöfe aller (Erz-)Bistümer in Deutschland. Derzeit gehören ihr 60 Mitglieder (Stand: September 2026) aus den 27 deutschen (Erz-)Bistümern an. Sie wurde eingerichtet zur Förderung gemeinsamer pastoraler Aufgaben, zur Koordinierung der kirchlichen Arbeit, zum gemeinsamen Erlass von Entscheidungen sowie zur Kontaktpflege zu anderen Bischofskonferenzen. Oberstes Gremium der Deutschen Bischofskonferenz ist die Vollversammlung aller Bischöfe, die regelmäßig im Frühjahr und Herbst für mehrere Tage zusammentrifft.


Impressum

Herausgeberin
Dr. Beate Gilles
Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz

Kaiserstraße 161
53113 Bonn


dbk.de


40. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Düsseldorf - Jetzt beginnt der Ticketverkauf





Vom 5. bis 9. Mai 2027 werden rund 100.000 Menschen zum 40. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Düsseldorf erwartet. Am 1. Oktober startet der Ticketverkauf. Alle Infos zu den Tickets gibt es unter kirchentag.de/tickets.


Fulda, 30. September 2026. Kirchentag, das bedeutet fünf Tage Kultur- und Musikfestival, Debatten, Austausch, Gemeinschaft, Gottesdienste, Singen, Kerzenmeer, Abendsegen und eine Stadt voller Kirchentagsschals, guter Ideen und guter Laune. „Beim Kirchentag kommen Menschen zusammen, die sich sonst vielleicht nicht begegnen würden. Wir wollen beim Kirchentag Räume schaffen, in denen man einander mit Neugier begegnet und einander zuhört, auch wenn man unterschiedliche Ansichten hat. Es geht darum, miteinander ins Gespräch zu kommen, sich aufeinander einzulassen und dabei gemeinsam gute Erfahrungen zu machen“, sagt Kirchentagspräsident Torsten Zugehör.

Tickets und Ermäßigungen

Bis zum 3. März 2027 gilt für ausgewählte Tickets der Frühbucherrabatt: Das reguläre 5-Tage-Ticket gibt es für 149 Euro statt regulär 169 Euro, das ermäßigte 5-Tage-Ticket für 89 Euro statt 99 Euro und das Familienticket für bis zu zwei Erwachsene und mindestens ein Kind bis einschließlich 17 Jahren für 199 Euro statt 249 Euro. Kinder bis einschließlich 11 Jahre besuchen den Kirchentag kostenfrei.

Junge Menschen aus Düsseldorf, Mettmann und Neuss haben mit dem Junge-Regio-Ticket die Möglichkeit, fünf Tage lang sehr günstig am Kirchentag teilzunehmen. Das Ticket gilt für Schüler, Auszubildende, Studierende sowie Teilnehmende an Freiwilligendiensten aus der Region und kostet 33 Euro. Für alle anderen aus der Region, die den Kirchentag kennenlernen und unverbindlich schnuppern möchten, eignet sich das 16-Uhr-Ticket, das es donnerstags, freitags und samstags jeweils ab 16 Uhr für 25 Euro gibt.

Schüler, Auszubildende, Studierende, Teilnehmende an Freiwilligendiensten, Menschen mit Behinderung ab einem GdB von 50, Rentner und Empfänger von Arbeitslosengeld I, die nicht aus der Region kommen, können ein ermäßigtes 5-Tage-Ticket für 89 Euro beziehungsweise ein ermäßigtes Tagesticket für 39 Euro erwerben. Geförderte 5-Tage-Tickets für Empfänger von Grundsicherung, Asylbewerber, Geflüchtete und Personen mit Düsselpass kosten 19 Euro.

Gut vorbereitet zum Kirchentag

Die In-App-Tickets sind nur in Verbindung mit der im Februar 2027 erscheinenden Kirchentags-App nutzbar. Mit der Kirchentags-App können Besucher ihr persönliches Programm erstellen, nach Programmthemen oder Referierenden suchen und schnell und einfach sehen, welche Veranstaltungen in der Nähe stattfinden.
Alternativ kann man bei der Anmeldung ein Papierticket auswählen. Diese Papiertickets werden für eine Zusatzpauschale von 4 Euro vor dem Kirchentag per Post verschickt.

Beim Kauf eines Kirchentagstickets können Teilnehmende zusätzlich Geld spenden. Ihre Spende unterstützt soziale Projekte und ermöglicht Menschen mit geringem Einkommen die Teilnahme durch geförderte Tickets.

Die 5-Tage-Tickets, die ermäßigten 5-Tage-Tickets und die 5-Tage-Familientickets enthalten einen ÖPNV-Fahrausweis für das Gebiet des Kirchentages. Unterkünfte müssen die Teilnehmenden bei Bedarf noch hinzubuchen. Der Kirchentag stellt Gemeinschaftsquartiere in ausgewählten Schulen bereit. Stellplätze für Wohnmobile, Wohnwagen oder Fahrzeuge gibt es am Caravan Center der Messe Düsseldorf über Visit Düsseldorf. Offizielle Partnerhotels in Düsseldorf und Umgebung kann man über das Hotelportal finden. Private Zimmer, Wohnungen oder Zeltplätze kann man auf der Plattform unter unterkunft-kirchentag.de anbieten, suchen und finden. Zeltplätze gibt es außerdem über Visit Düsseldorf.

Neu: Der Kirchentag hat auf seiner Website einen digitalen Assistenten. Der Chatbot beantwortet auf Grundlage der offiziellen Angaben des Kirchentages Fragen rund um Teilnahme, Mitwirken, Helfen, Unterkunft und Programm und hilft dabei, schnell die passenden Informationen zu finden.




Über den Kirchentag:

Der Deutsche Evangelische Kirchentag wurde 1949 als christliche Laienbewegung gegründet und besteht bis heute als unabhängiger Verein fort. Alle zwei Jahre bringt er als Dialog- und Kulturevent viele tausend Menschen in einer anderen deutschen Großstadt zusammen.

Der nächste Kirchentag findet vom 5. bis 9. Mai 2027 in Düsseldorf statt. Weitere Informationen finden Sie auf kirchentag.de.

Dienstag, 4. August 2026

Mehr als 1,1 Millionen Euro wurden für den Erhalt von Kirchen aufgewendet

 


Jahresbericht 2025 der Stiftung KiBa erschienen

Hannover (4. August 2026). Mit einer Gesamtsumme von 1,14 Millionen Euro hat die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (Stiftung KiBa) im Jahr 2025 bundesweit 103 Projekte gefördert. Das geht aus dem umfangreich illustrierten Jahresbericht hervor, der alle Förderprojekte, die Aktivitäten der Stiftung KiBa und ihre Ein- und Ausgaben im vergangenen Jahr präsentiert.
 
Die Zukunft von Kirchen werde vielerorts neu verhandelt, so der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Landesbischof Ralf Meister. „Was über Jahrzehnte selbstverständlich schien, steht zur Disposition“, schreibt er im Vorwort des Jahresberichts der von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gegründeten Stiftung. Das zeigt sich beispielhaft an einer Reportage über die Dorfkirche in Deetz (Landkreis Stendal). Dort wird geschildert, wie die Sanierung einer Kirche gemeinschaftliches Engagement gerade in ländlicher Region nachhaltig beleben kann. Auch der Erhalt der Dorfkirche in Deetz war nicht gewiss. „Nahezu alle Landeskirchen befinden sich in Prozessen der Gebäudebedarfsplanung“, so Landesbischof Ralf Meister. „Lange wurden Kirchen vor allem nach ihrer Funktion für die kirchliche Praxis beurteilt. Heute reicht ihre Bedeutung darüber hinaus“. Auch für die Stiftung KiBa bedeute das: „Jede Förderentscheidung wirft Fragen auf, die sich nicht allein mit Kennzahlen beantworten lassen.“
 
Präsentiert werden auf 114 Seiten außerdem die Menschen, die dahinterstehen: das Team rund um Geschäftsführerin Dr. Catharina Hasenclever im Stiftungsbüro in Hannover, der Vorstand der Stiftung und der Förderverein.
 
Für Einblicke in die antragstellenden Projekte und damit für gute Grundlagen einer Förderentscheidung sorgen 15 Regionalbeauftragte, die im Jahresbericht genannt sind. Ein Kapitel über den „Preis der Stiftung KiBa“ macht anschaulich, wie die Stiftung die immer wichtiger werdende erweiterte Nutzung und Öffnung von Kirchen unterstützt.
 
Die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (Stiftung KiBa) ist eine Stiftung der EKD und der evangelischen Landeskirchen. Seit 1999 hat sie Zusagen für Sanierungsvorhaben in Höhe von mehr als 42 Millionen Euro geben können. Für dieses Jahr sind bislang Förderzusagen von 1,3 Millionen Euro vorgesehen. 3.400 Mitglieder engagieren sich bundesweit im „Förderverein der Stiftung KiBa e. V.“ Weitere Informationen: www.stiftung-kiba.de


Herausgegeben von der Pressestelle der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)

Herrenhäuser Str. 12
30419 Hannover

www.ekd.de




Freitag, 27. März 2026

Christen und Muslime teilen trotz Unterschieden in der Glaubenslehre auch geistliche Berührungspunkte.




27. März 2026 - 
Jahresempfang der Deutschen Bischofskonferenz für die Partnerinnen und Partner im christlich-islamischen Dialog  -  „Dem Frieden Raum geben“.

Zum siebten Mal hat heute der Jahresempfang der Deutschen Bischofskonferenz für die Partnerinnen und Partner im christlich-islamischen Dialog stattgefunden. Rund 120 Gäste folgten der Einladung des Vorsitzenden der Unterkommission für den Interreligiösen Dialog, Bischof Dr. Bertram Meier (Augsburg), nach Frankfurt am Main. Im Fokus des Empfangs stand die Verantwortung der Religionsgemeinschaften für ein friedliches Zusammenleben – in Deutschland und weltweit.

Eröffnet wurde der Abend mit einem Gebet im Dom St. Bartholomäus. Bischof Meier betonte dabei, dass Christen und Muslime trotz Unterschieden in der Glaubenslehre auch geistliche Berührungspunkte teilen. Er nannte dabei vor allem „das Bewusstsein, dass wir auf eine Wirklichkeit verwiesen sind, die größer ist als wir selbst – auf Gott, den barmherzigen Schöpfer. Im Gebet wenden wir uns an ihn, in unterschiedlichen Formen und Worten, aber mit einer ähnlichen Haltung: in dem Vertrauen, dass Gott es gut mit uns meint; in der Gewissheit, dass wir seiner Vergebung bedürfen und diese auch erlangen können.“ Das Gebet leiste dabei auch einen wirksamen Beitrag zum Frieden: „Gebet ist keine Flucht aus der Verantwortung. Es ist vielmehr eine Schule der Aufmerksamkeit. Wer Versöhnung erlangen will, muss selbst versöhnungsbereit werden. Wer Gerechtigkeit fordert, muss sie im eigenen Handeln verwirklichen. Wer den Frieden erbittet, muss dem Frieden Raum geben. Denn Frieden ist mehr als das Schweigen der Waffen – er beginnt im Herzen der Menschen.“

Beim anschließenden Empfang im Haus am Dom griff Bischof Meier ( i. Bild ) in seiner Eröffnungsansprache das Weltgebetstreffen für den Frieden auf, zu dem Papst Johannes Paul II. vor knapp 40 Jahren nach Assisi eingeladen hatte: „In einer Zeit, in der noch nicht abzusehen war, ob die Großmächte einen Ausweg aus der Logik des Wettrüstens finden würden, kamen in der Stadt des hl. Franziskus die Repräsentanten der großen Religionen zusammen. […] Als gläubige Menschen wissen wir, dass Frieden letztlich immer ein Geschenk Gottes ist. Damit jedoch der Friede, den Gott gibt, in dieser Welt wirksam wird, bedarf es unserer Mitwirkung. […] So war auch die Botschaft des historischen Treffens von 1986 eine zweifache: Wir beten für den Frieden – und wir handeln für den Frieden.“ Mit Blick auf die Lage in Deutschland unterstrich Bischof Meier: „Als Menschen des Dialogs müssen wir daher den Schulterschluss mit all jenen suchen, die das Anliegen teilen, einer Vereinnahmung von Religion durch radikale Kräfte entgegenzuwirken. Und: Wir brauchen echte Solidarität, wenn Menschen aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit Anfeindungen und Übergriffe erfahren. Deshalb sage ich in aller Klarheit: Für Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und jede Form der Menschenfeindlichkeit ist in unserer offenen Gesellschaft kein Platz!“

Die Vorsitzende der Christlich-Islamischen Gesellschaft, Dunya Elemenler, fasste in ihrem Grußwort die gemeinsame Aufgabe von Christen und Muslimen wie folgt zusammen: „Nicht nur über Dialog zu sprechen, sondern ihn zu leben. Nicht nur Strukturen zu schaffen, sondern Beziehungen zu stärken. Nicht nur Unterschiede zu benennen, sondern vor allem Vertrauen wachsen zu lassen. Denn am Ende entscheidet sich die Zukunft des interreligiösen Dialogs nicht auf dem Papier, sondern im Miteinander der Menschen. Wenn es uns gelingt, Dialog als echte Beziehungsarbeit zu verstehen und zu leben, dann kann daraus mehr entstehen als Verständigung: nämlich gegenseitige Wertschätzung, Vertrauen – und vielleicht sogar Freundschaft.“

Wie sich Ressentiments überwinden lassen und sich eine Kultur der Gewaltfreiheit entfalten kann, bildete im weiteren Verlauf des Abends einen Schwerpunkt des Gesprächs zwischen dem katholischen Künstler und Bischof Hermann Glettler (Innsbruck) und dem muslimischen Religionspädagogen und Imam Dr. Abualwafa Mohammed (Wien und Freiburg i. Br.). Beide verbindet eine langjährige Freundschaft. Als wichtige Voraussetzung für gelingende Dialogbeziehungen beschrieb Bischof Glettler eine Haltung der Offenheit: „Fruchtbare Dialoge gelingen nur, wenn wir uns selbst verletzlich machen und uns aus der Sicherheitszone der eigenen Positionen herauslocken lassen – hin zu einer beglückenden Erfahrung des Menschseins.“ Imam Mohammed wiederum bekräftigte: „Jede Art von Dialog lebt von Menschen, die einander wirklich zuhören und begegnen wollen.“ Gleichzeitig warb er für einen Perspektivwechsel, der das Freund-Feind-Denken überwindet: „Wahre Freiheit beginnt dort, wo ein Mensch sich nicht mehr vom Hass, von Angst oder von ideologischen Vereinfachungen bestimmen lässt. Sei es bei Rassisten, Weltverschwörern oder radikalen Islamisten – Hass folgt meist einem dualistischen Weltbild mit demselben Muster: Hier sind die Guten, dort die Bösen. Einen Ausweg gibt es nur, wenn wir versuchen, in jedem einen Menschen zu sehen.“ Bischof Glettler ermutigte dabei die Religionsgemeinschaften auch zu einer selbstreflexiven und veränderungsbereiten Haltung: „Wir können nur dann glaubwürdig für Menschenrechte und eine liberale Demokratie einstehen, wenn wir unsere eigene Geschichte reflektieren und benennen, wo wir die Freiheit von Menschen eher verhindert als gefördert haben. Jede Religionsgemeinschaft und Kirche verliert an Glaubwürdigkeit, wenn sie nicht auch selbst zur inneren Erneuerung bereit ist.“

Bischof Glettler und Imam Mohammed haben im vergangenen Jahr auch ein Buch zu ihren Dialogerfahrungen veröffentlicht. Es trägt den Titel: Nicht den Hass, die Liebe wählen: Ein Bischof und ein Imam über Spuren der Hoffnung in einer verwundeten Gesellschaft.




Bischof Meier fordert deutliches Zeichen der Solidarität


Der aktuelle Krieg im Iran schlägt ein weiteres leidvolles Kapitel in einer Region auf, die ohnehin von Terror und Krieg – insbesondere seit dem 7. Oktober 2023 – tief gezeichnet ist. Die Folgen sind auch für die Menschen im Heiligen Land unmittelbar zu spüren. Die Hoffnung auf Frieden rückt damit einmal mehr in weite Ferne und weicht der Sorge vor einem Flächenbrand, der die gesamte Region zu erfassen droht. Vor diesem Hintergrund rufen die deutschen Bischöfe im Rahmen der jährlichen Kollekte am Palmsonntag (29. März 2026) zur Unterstützung der Christen im Heiligen Land auf. Sie steht in diesem Jahr unter dem Motto „Hoffnung säen“. Dazu schreiben die Bischöfe: „Die andauernde Gewalt im Nahen Osten fordert nicht nur zahllose Menschenleben. Sie reißt auch die ohnehin tiefen gesellschaftlichen Gräben immer weiter auf. Die politische Realität scheint die Hoffnung auf Frieden und Versöhnung erstickt zu haben.“

„Doch inmitten von Resignation und Polarisierung“, so der Aufruf der Bischöfe weiter, „gibt es Juden, Christen und Muslime, die unbeirrt an der Vision eines friedlichen Miteinanders festhalten.“ Die Palmsonntagskollekte leistet dazu einen wichtigen Beitrag: Sie fördert Projekte und Initiativen des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande und der Franziskaner im Heiligen Land, die sich insbesondere in der Dialog- und Versöhnungsarbeit engagieren und so die Hoffnung auf Frieden und eine bessere Zukunft stärken. Wie notwendig derartige Initiativen sind, betont auch der diesjährige Aufruf des Vatikans zur Kollekte für die Christen im Heiligen Land. Viele hätten durch Krieg, Gewalt und das Ausbleiben der Pilger alles verloren. Gerade die Christen, die trotz schwierigster Umstände vor Ort blieben, seien inmitten der Dunkelheit Zeugen der Hoffnung.

Bischof Dr. Bertram Meier, Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, unterstreicht die dramatische Lage, in der sich die Christen in der Region befinden: „Unsere Schwestern und Brüder in dieser Weltgegend brauchen heute mehr denn je unser Gebet und unsere Unterstützung. Setzen wir ein deutliches Zeichen der Solidarität am diesjährigen Palmsonntag! Gerne mache ich mir das Wort von Papst Leo XIV. vom vergangenen Sonntag zu eigen, der sagte, dass dieser Konflikt im Nahen und Mittleren Osten ‚ein Skandal für die gesamte Menschheitsfamilie und ein Schrei im Angesicht Gottes‘ sei. Vergessen wir unsere Schwestern und Brüder nicht. Wir sind es ihnen schuldig.“

Hinweise:

Der Aufruf zur Palmsonntagskollekte ist als PDF-Datei unter Aufrufe der deutschen Bischöfe verfügbar.

Die Botschaft des Vatikans zur Heilig-Land-Kollekte finden Sie unter: Appello per la Colletta dei Cristiani in Terra Santa.

Die Kollekte für die Christen im Heiligen Land wird weltweit – allerdings nicht an einem einheitlichen Termin – durchgeführt. In Deutschland findet die Kollekte in allen Gottesdiensten am Palmsonntag statt.


foto https://bistum-augsburg.de/

Hintergrund

Im Jahr 2018 hat die Deutsche Bischofskonferenz zusammen mit ihrer Fachstelle CIBEDO (Christlich-islamische Begegnungs- und Dokumentationsstelle) erstmals zu einem bundesweiten Jahresempfang für die Partnerinnen und Partner im christlich-islamischen Dialog eingeladen. Ziel des Empfangs ist es, unterschiedliche Dialog-Akteure zusammenzubringen, geistliche und theologische Perspektiven der christlich-muslimischen Begegnung zu stärken und ein Zeichen des geschwisterlichen Miteinanders zu setzen. Die Begegnung findet jeweils in zeitlicher Nähe zum Hochfest „Mariä Verkündigung“ statt, das neun Monate vor Weihnachten gefeiert wird (25. März). Maria erfährt als Mutter Jesu sowohl unter Christen als auch unter Muslimen große Wertschätzung und kann deshalb als verbindende Figur zwischen beiden Religionsgemeinschaften gelten.

Verband der Diözesen Deutschlands (VDD), Körperschaft des öffentlichen Rechts, als Rechtsträger der Deutschen Bischofskonferenz
Kaiserstraße 161
53113 Bonn